{"id":35,"date":"2016-09-21T12:42:50","date_gmt":"2016-09-21T12:42:50","guid":{"rendered":"http:\/\/liedhegener.info\/?page_id=35"},"modified":"2024-01-08T15:59:42","modified_gmt":"2024-01-08T15:59:42","slug":"forschung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/liedhegener.info\/?page_id=35","title":{"rendered":"Forschung"},"content":{"rendered":"<p>Meine Forschungsprojekte verbinden zweierlei: Erstens geht es darum, in theoretischer und empirischer Hinsicht Grundlagenforschung zu leisten. Und zweitens geht es darum, im Sinne der transdisziplin\u00e4ren Ausrichtung des ZRWP Fragestellungen und Probleme zu bearbeiten, die f\u00fcr die Gegenwart moderner demokratischer Gesellschaften relevant sind. Aktuell richtet sich der Fokus auf mehrere Forschungsprojekte, die u.a. in der Nachfolge des <a href=\"https:\/\/resic.info\/konid-the-quantitative-project\/\">SNF-gef\u00f6rderten KONID-Projekts<\/a> und des \u00e4lteren<a href=\"https:\/\/www.unilu.ch\/forschung\/aktivitaeten\/forschungsschwerpunkte\/religion-und-gesellschaftliche-integration-in-europa\/publikationen\/\"> universit\u00e4ren Forschungsschwerpunkts \u201eReligion und gesellschaftliche Integration (REGIE)\u201c<\/a> der Universit\u00e4t Luzern in der j\u00fcngeren Zeit entstanden sind.<\/p>\n<h4>Politik und Religion \u2013 empirische politische Theorie<\/h4>\n<p>Die Forschung zu Politik und Religion hat in den letzten Jahren ganz erhebliche Fortschritte gemacht; Frucht der europaweiten Anstrengungen, wie sie etwa im ZRWP, im Exzellenzcluster der Universit\u00e4t M\u00fcnster, in der Forschungsplattform Religion und Transformation der Universit\u00e4t Wien oder in standort\u00fcbergreifenden Initiativen wie der ECPW Standing Group \u201ePolitics and Religion\u201c oder dem DVPW-Arbeitskreis \u201ePolitik und Religion\u201c geb\u00fcndelt sind. Die zahlreichen Einzelbefunde haben deutlich gemacht, dass es sich beim Forschungsfeld Politik und Religion um eine Querschnittsaufgabe der Politikwissenschaft mit sehr starken interdisziplin\u00e4ren Bez\u00fcgen handelt. Eine der wichtigen Zukunftsfragen der politikwissenschaftlichen Forschung in diesem Feld ist die nach den ad\u00e4quaten Theorien und Modellen, die es erlauben, Forschungsergebnisse miteinander ins Gespr\u00e4ch zu bringen und vergleichbar zu machen. Meine Publikationen m\u00f6chten ein Angebot dazu machen. Ausgehend von dem von allem in der Vergleichenden Politikwissenschaft verbreiteten Ansatz eines strukturell-funktionalen Politikmodells werden religi\u00f6se Interessen und Akteure in ihrem Bezug zum politischen System, zum Regierungssystem und zur Gesellschaft theoretisch definiert und eingeordnet. Die dabei entwickelten Modelle kreisen um die Konzepte Demokratie, Macht und Einfluss, Prozesse politischer Entscheidungsfindung, politische Unterst\u00fctzung, politische Institutionen, Strukturen und Kulturen, Mehrebenensysteme, Religionsfreiheit, Religionspolitik, Zivilgesellschaft, intermedi\u00e4rer Raum und nicht zuletzt gesellschaftliche Integration und soziale Identit\u00e4t. Da eine empirische politische Theorie nur in der Anwendung auf empirische Forschungsfragen und \u2013gegenst\u00e4nde \u00fcberzeugt bzw. entwickelt werden kann, habe ich meine Modelle und Konzepte bislang oftmals in empirischen Publikationen etwa zu Religion und Zivilgesellschaft, Religion und sozialen Identit\u00e4ten oder zum Katholizismus integriert.<\/p>\n<h4>Religion und gesellschaftlicher Zusammenhalt<\/h4>\n<p><a href=\"https:\/\/www.unilu.ch\/fakultaeten\/ksf\/institute\/zentrum-fuer-religion-wirtschaft-und-politik\/forschung\/gesellschaftlicher-zusammenhalt-in-der-schweiz\/\">Wie und was h\u00e4lt Gesellschaft zusammen?<\/a> Dies ist seit ihren Anf\u00e4ngen eine der Kernfragen sozialwissenschaftlicher Forschung. Die vielschichtige Krise der Gegenwart aus Klimawandel, Corona, Ukraine-Krieg und Energiemangel verschafft dieser Frage eine ganz neue Brisanz. Sie ist eine der zentralen Zukunftsfragen f\u00fcr die Schweizer Gesellschaft sowie unsere Demokratie schlechthin. Welche Faktoren tragen zum Zusammenhalt bei? Wann und warum f\u00fchlt sich jemand zugeh\u00f6rig \u2013 und zu was? Welche Rolle spielen dabei Religion, Wirtschaft und Politik? Diese Fragen sind zentral, wenn wir verstehen wollen, warum Gesellschaften zusammenhalten \u2013 oder auseinanderbrechen. Genau hier setzt das neue Projekt des Zentrums f\u00fcr Religion, Wirtschaft und Politik (ZRWP) der Universit\u00e4t Luzern an.<\/p>\n<h4>Religion und Radikalisierung<\/h4>\n<p>Prozesse politischer Radikalisierung betreffen zwar nur sehr kleine Bev\u00f6lkerungskreise, stellen aber f\u00fcr freiheitliche Gesellschaften eine beachtliche Gef\u00e4hrdung dar. In den vergangenen Jahren konnte die Terrorismus- und Radikalisierungsforschung bedeutende Fortschritte verzeichnen. Vor allem war eine Verlagerung zu quantitativen und Mixed-Method-Ans\u00e4tzen in der Untersuchung von Radikalisierungsmerkmalen und -verl\u00e4ufen und ein Wandel vom\u00a0<em>Warum<\/em>\u00a0zum\u00a0<em>Wie<\/em> zu beobachten. Das <a href=\"https:\/\/www.unilu.ch\/fakultaeten\/ksf\/institute\/zentrum-fuer-religion-wirtschaft-und-politik\/forschung\/radicals-and-preachers\/\">RPSI-Forschungsprojekt<\/a> m\u00f6chte die Annahme \u00fcberpr\u00fcfen, ob dschihadistische Radikalisierung aus einer Kombination von Effekten der Netzwerkschliessung und einer Transformation individueller und sozialer Identit\u00e4ten innerhalb dieser Netzwerke resultiert. Es untersucht die Forschungsfrage, ob Individuen von pietistischen und politischen nicht-gewaltaffinen Formen des Salafismus zu einem militanten Dschihadismus, welcher politische Gewalt legitimiert und f\u00f6rdert, aufgrund der Schliessung ihrer sozialen Netzwerke und dem Wandel ihrer sozialen Identit\u00e4ten im Zuge der Hinwendung zum dschihadistischen Milieu konvertieren. Die grundlegende Hypothese des Projektes, welche auf Religions\u00f6konomie, Sozialkapital-Theorie und der Theorie Sozialer Identit\u00e4ten rekurriert, geht davon aus, dass die Kombination beider Prozesse \u2013 Netzwerkschliessung und Identit\u00e4tswandel \u2013 die Wahrscheinlichkeit von Radikalisierung deutlich steigern.<\/p>\n<h4>Konfigurationen individueller und kollektiver religi\u00f6ser Identit\u00e4ten und ihre zivilgesellschaftlichen Potentiale. Repr\u00e4sentative Befunde f\u00fcr Deutschland und die Schweiz im Vergleich (KONID)<\/h4>\n<p>In diesem laufenden, vom SNF und von der DFG-gef\u00f6rderten <a href=\"https:\/\/resic.info\/religious-social-identity-in-civil-society\/the-quantitative-project\/\">Forschungsprojekt<\/a> untersuchen Gert Pickel (Leipzig), Anastas Odermatt (Luzern), Yvonne Jaeckel (Leipzig), Alexander Yendell (Leipzig)\u00a0 und ich die Rolle von sozialen Identit\u00e4ten und speziell religi\u00f6sen Identit\u00e4ten in der Gegenwart. Dazu haben wir 2019 in Deutschland und der Schweiz den KONID Survey 2019 mit jeweils rund 3.000 Befragten durchgef\u00fchrt. Diese Umfrage liefert erstmals ein umfangreiches Befragungsinstrumentarium, das religi\u00f6se Identit\u00e4ten in den Kontext von rund 20 anderen sozialen Identit\u00e4ten stellt und deren Wirkungen in Zivilgesellschaft und Politik untersuchbar macht. Das Projekt ist der quantitative Bestandteil des interdisziplin\u00e4ren, einem Multi-Method-Ansatz verpflichteten Gesamtprojekts <a href=\"https:\/\/resic.info\/\">RESIC<\/a>. Unsere Umfragedaten zeigen: Ob f\u00fcr die Integration von Gesellschaft oder f\u00fcr die Verbreitung von Vorurteilen &#8211; <a href=\"https:\/\/resic.info\/religious-social-identity-in-civil-society\/publications\/\">Religion ist und bleibt ein ambivalentes Ph\u00e4nomen<\/a>, das in seinen Einzelheiten untersucht und verstanden sein will.<\/p>\n<h4>Religionspolitik in Deutschland und der Schweiz seit 1990<\/h4>\n<p>&#8222;Kopftuchverbote&#8220; in Deutschland Mitte der 2000er Jahre und die international beachtete &#8222;Anti-Minarett-Initiative&#8220; in der Schweiz von 2009 markieren wichtige Daten eine R\u00fcckkehr und Intensivierung aktiver Religionspolitik seitens des Staates in beiden L\u00e4ndern. Religionspolitik zielt auf die Gestaltung religi\u00f6ser (und gesellschaftlicher) Vielfalt mit den Mitteln demokratischer (Mehrheits-)Entscheidungen. Sie setzt Religionsfreiheit und den Grundrechtsschutz voraus, geht aber in ihren Steuerungsabsichten \u00fcber die \u00e4ltere Zur\u00fcckhaltung im Staat-Religionen-Verh\u00e4ltnis hinaus.\u00a0 St\u00e4rker als in der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts spielt heute der Parteienwettbewerb eine Rolle. Mittlerweile sind die religionspolitischen Materien \u00e4u\u00dferst zahlreich und vielfach mit anderen Politikbereichen wie der Integrations- und Sicherheitspolitik verwoben. In meinen Forschungen zur Religionspolitik, die mit den fr\u00fchen Kopftuchverboten in Deutschland einsetzen, geht es darum, die Entwicklungslinien, Handlungsoptionen und normativen Grundlagen und Implikationen sichtbar zu machen. Eine eigene interne Datenbank ist im Laufe der Jahre in Zusammenarbeit mit Laura Lots and Johannes Saal (beide Luzern) entstanden, die das empirische R\u00fcckgrat meiner Forschung darstellen.<\/p>\n<h4>Schweizer Meta-Datenbank Religionszugeh\u00f6rigkeit in Europa\/ Swiss Metadatabase of Religious Affiliation in Europe\u00a0(SMRE)<\/h4>\n<p>Man sollte meinen, dass die Frage der Religionszugeh\u00f6rigkeit in Europa ebenso leicht beantwortet wie gestellt werden kann. Ein Blick in die amtlichen Statistiken und Umfrageergebnisse, und man wei\u00df, wer in welchem Land zu welcher Religionsgemeinschaft geh\u00f6rt, welche Religionsgemeinschaften wo verbreitet und dominant sind und wie viel Menschen ohne Religionszugeh\u00f6rigkeit wo leben. Im Rahmen meines Teilprojektprojekts von REGIE hatte sich aber gezeigt, das h\u00f6chst unterschiedliche Zahlenangaben im Umlauf sind und dieser fundamentale Sachverhalt der Sozialstruktur der europ\u00e4ischen Staaten und ihrer Bev\u00f6lkerungen faktisch \u00fcber weite Strecken ungekl\u00e4rt gewesen ist. Im SMRE-Projekt haben Anastast Odermatt (Luzern) und ich die unterschiedlichen Daten in einer eigenen Meta-Datenbank zusammengef\u00fchrt. Sie liefert nun eine verl\u00e4ssliche Sch\u00e4tzung f\u00fcr zwei Zeitr\u00e4ume. Damit konnte im Sinne einer Grundlagenforschung f\u00fcr die empirischen Religionsforschung eine bessere, weil verl\u00e4ssliche statistische Ausgangsbasis bereitgestellt werden. Von 2015 bis 2018 wurde das Projekt vom Schweizer Nationalfond (SNF) gef\u00f6rdert. Die finalen Sch\u00e4tzungen f\u00fcr 2000 und 2010, zahlreiche interaktive Auswertungs- und Berichtsm\u00f6glichkeiten und unsere Publikationen finden Sie auf der SMRE- <a href=\"http:\/\/www.smre-data.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Homepage.\u00a0<\/a> (<a style=\"font-size: inherit;\" href=\"http:\/\/www.smre-data.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.smre-data.ch)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"qua-blog-post-description\">Meine Forschungsprojekte verbinden zweierlei: Erstens geht es darum, in theoretischer und empirischer Hinsicht Grundlagenforschung zu leisten. Und zweitens geht es darum, im Sinne der transdisziplin\u00e4ren Ausrichtung des ZRWP Fragestellungen und Probleme zu bearbeiten, die f\u00fcr die Gegenwart moderner demokratischer Gesellschaften relevant sind. 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