Forschung

September 21, 2016

Forschung – Unterpunkt 1

Beschreibung

Forschung – Unterpunkt 2

In meiner Forschungsprojekten versuche ich zwei Dinge miteinander zu verbinden: Einerseits geht es mir darum, in theoretischer und empirischer Hinsicht Grundlagenforschung zu leisten, andererseits im Sinne einer transdisziplinären Ausrichtung, Fragestellungen und Probleme zu bearbeiten, die für die Gegenwart moderner demokratischer Gesellschaften relevant sind. Aktuell richtet sich der Fokus auf drei laufende Forschungsprojekte, die im Kontext des universitären Forschungsschwerpunkts „Religion und gesellschaftliche Integration (REGIE)“ der Universität Luzern angesiedelt sind.

Europas Religionen und religiösen Organisationen als zivilgesellschaftliche und politische Akteure (ZPA)

Mein politikwissenschaftliches Teilprojekt von REGIE fragt nach der empirisch vorfindlichen Akteursqualität von Religionen und deren Potentiale und Wirkungen für gesellschaftliche Integration bzw. Desintegration in Europa. Erforscht werden soll die Bedeutung von Religionsgemeinschaften für zwei verschiedene, zentrale Bereiche gesellschaftlicher Integration: Zum einen wird die Beteiligung (oder auch Nicht-Beteiligung bzw. Nicht-Teilhabe) religiöser Akteure in der Zivilgesellschaft untersucht. Zum anderen wird die direkte Einflussnahme religiöser Akteure auf Politik und insbesondere auf konfliktive politische Entscheidungsprozesse erforscht. José Casanovas ursprüngliches Konzept der „public religion“ sieht diese beiden Bereiche als getrennt an. Casanova verweist bzw. beschränkt Religion dezidiert auf den Raum der Zivilgesellschaft. Neuere empirische Studien zu Politik und Religion deuten aber darauf hin, dass diese Unterscheidung empirisch nicht aufrecht zu halten ist. Wie aber hängen dann die Rolle von Religion in der Zivilgesellschaft und das politische Engagement von religiösen Akteuren zusammen? Und wie wirkt sich dieser Zusammenhang auf ihr Selbstverständnis und ihre Rolle in Zivilgesellschaft und Politik aus? Ausgehend von einer statistischen Bestandsaufnahme zur Religionszugehörigkeit in Europa werden die skizzierten Fragenkomplexe komparativ mit qualitativen und quantitativen Methoden untersucht. Voraussetzung dafür ist eine gesicherte theoretische Ausgangsbasis.

Politik und Religion – empirische politische Theorie

Die Forschung zu Politik und Religion hat in den letzten Jahren ganz erhebliche Fortschritte gemacht; Frucht der europaweiten Anstrengungen, wie sie etwa im ZRWP, im Exzellenzcluster der Universität Münster, in der Forschungsplattform Religion und Transformation der Universität Wien oder in standortübergreifenden Initiativen wie der ECPW Standing Group „Politics and Religion“ oder dem DVPW-Arbeitskreis „Politik und Religion“ gebündelt sind. Die zahlreichen Einzelbefunde haben deutlich gemacht, dass es sich beim Forschungsfeld Politik und Religion um eine Querschnittsaufgabe der Politikwissenschaft mit sehr starken interdisziplinären Bezügen handelt. Eine der wichtigen Zukunftsfragen der politikwissenschaftlichen Forschung in diesem Feld ist die nach den adäquaten Theorien und Modellen, die es erlauben, Forschungsergebnisse miteinander ins Gespräch zu bringen und vergleichbar zu machen. Mein Projekt möchte ein Angebot dazu machen. Ausgehend von dem von allem in der Vergleichenden Politikwissenschaft verbreiteten Ansatz eines strukturell-funktionalen Politikmodells werden religiöse Interessen und Akteure in ihrem Bezug zum politischen System, zum Regierungssystem und zur Gesellschaft theoretisch definiert und eingeordnet. Die dabei entwickelten Modelle kreisen um die Konzepte Demokratie, Macht und Einfluss, Prozesse politischer Entscheidungsfindung, politische Unterstützung, politische Institutionen, Strukturen und Kulturen, Mehrebenensysteme, Religionsfreiheit, Religionspolitik, Zivilgesellschaft, intermediärer Raum und nicht zuletzt gesellschaftliche Integration. Da eine empirische politische Theorie nur in der Anwendung auf empirische Forschungsfragen und –gegenstände überzeugt bzw. entwickelt werden kann, habe ich meine Modelle und Konzepte bislang in Publikationen zum politischen Katholizismus und zu Religion und Zivilgesellschaft integriert. In diesem Projekt geht es mir darum, diese theoretischen Vorschläge zu bündeln und systematisch darzulegen.

Schweizer Meta-Datenbank Religionszugehörigkeit in Europa/ Swiss Metadatabase of Religious Affiliation in Europe (SMRE)

Man sollte meinen, dass die Frage der Religionszugehörigkeit in Europa ebenso leicht beantwortet wie gestellt werden kann. Ein Blick in die amtlichen Statistiken und Umfrageergebnisse, und man weiß, wer in welchem Land zu welcher Religionsgemeinschaft gehört, welche Religionsgemeinschaften wo verbreitet und dominant sind und wie viel Menschen ohne Religionszugehörigkeit wo leben. Im Rahmen des eingangs genannten Teilprojektprojekts von REGIE hat sich aber gezeigt, das höchst unterschiedliche Zahlenangaben im Umlauf sind und dieser fundamentale Sachverhalt der Sozialstruktur der europäischen Staaten und ihrer Bevölkerungen faktisch über weite Strecken ungeklärt ist. Das Projekt SMRE macht auf diesen Sachverhalt aufmerksam, führt die unterschiedlichen Daten in einer eigenen Meta-Datenbank zusammen, eröffnet durch seine neue, innovative Web-Applikation demnächst die Möglichkeit zum „crowd research“ und soll am Ende soweit möglich zumindest eine verlässliche Schätzung für zwei Zeiträume seit Mitte der 1990er Jahre liefern. Damit soll im Sinne einer Grundlagenforschung für die empirischen Religionsforschung eine bessere, weil verlässliche statistische Ausgangsbasis bereitgestellt werden. Seit März 2015 wird das Projekt vom Schweizer Nationalfond (SNF) dazu für drei Jahre gefördert. Über den Stand der bisherigen Erhebung, Auswertung und Publikationen informiert unsere Homepage. Weitere Informationen sind abrufbar unter:

www.smre-data.ch